Der Weg des Abwassers: Vom Abfluss über die Kanalisation bis zum Klärwerk
Wir nutzen jeden Tag Wasser zum Kochen, Duschen oder Putzen. Doch was passiert anschließend damit? Begleiten Sie uns auf dem Weg des Abwassers durch die einzelnen Stationen des Kölner Abwassersystems und erfahren Sie, wie die Stadtentwässerungsbetriebe Köln dafür sorgen, dass unser Abwasser sicher und umweltgerecht behandelt wird.
Übersicht
Wieso hat jede*r mit den StEB Köln zu tun?
Ob in der Küche, im Bad oder auf Ihrem Grundstück – überall, wo Abwässer entstehen, sind die Stadtentwässerungsbetriebe Köln aktiv. Wir sorgen dafür, dass das Abwasser sicher abgeleitet und gereinigt wird. Als ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge gestalten wir das (Ab-)Wassermanagement der Stadt nachhaltig.
Dabei spielt das richtige Verhalten im Umgang mit Abwasser eine große Rolle: Nicht alles, was in der Toilette oder dem Abfluss landet, gehört dort hin: Feuchttücher, Hygieneartikel oder abgelaufene Medikamente können Pumpwerke und Leitungen verstopfen und die Umwelt belasten. Die aufwändige Reinigung verursacht Kosten, die über die Abwassergebühren finanziert werden. Mehr zu diesem Thema hier: Was gehört nicht in die Toilette?
Indem Haubesitzer*innen, Unternehmen und Gewerbetreibende auf ordnungsgemäße Kanalanschlüsse achten, tragen sie zu einer funktionierenden Abwasserbeseitigung bei. Wer zudem noch Regenwasser clever nutzt, entlastet die Kanalisation, schützt unser Grundwasser und trägt dazu bei, dass Köln noch klimafreundlicher wird.
Vom Abfluss ins unterirdische Netz
Wenn Sie den Wasserhahn zum Händewaschen aufdrehen oder die Toilette spülen, gelangt Abwasser über private Leitungen in das städtische Kanalnetz. Dieses weitverzweigte System erstreckt sich über rund 2.400 Kilometer unter den Straßen Kölns und transportiert das Abwasser zuverlässig zu den Klärwerken. Dort wird es gründlich gereinigt, bevor es schließlich in den Rhein geleitet wird.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Kölner Entwässerungssystems sind die Straßenabläufe oder Sinkkästen, auch Gullys genannt. Sie sind die Eintrittspunkte für Regenwasser in die Kanalisation. Durch regelmäßige Reinigungszyklen im gesamten Stadtgebiet sorgen wir dafür, dass diese Abläufe einwandfrei funktionieren. Das ist insbesondere auch bei Starkregenereignissen wichtig, um Überschwemmungen zu vermeiden und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Mehr zum Thema Gullyreinigung
In welchen Klärwerken landet das Abwasser?
Die StEB Köln betreiben fünf Kläranlagen, die strategisch über das Stadtgebiet verteilt sind:
Das Großklärwerk Stammheim ist die zentrale Aufbereitungsanlage für das Kölner Abwasser und bewältigt den Großteil der Abwassermenge. Die vier weiteren Kläranlagen in Langel, Rodenkirchen, Weiden und Wahn ergänzen das System und sichern die flächendeckende Abwasserreinigung in allen Stadtteilen.
In diesen modernen Anlagen durchläuft das Abwasser mehrere Reinigungsstufen, bevor das gereinigte Wasser einer Qualitätskontrolle unterzogen wird. Nach Abschluss dieses umfassenden Reinigungsprozesses fließt das nun saubere Wasser umweltverträglich in den Rhein zurück. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Gewässerschutz und zur nachhaltigen Wasserwirtschaft in der Region.
Wie gelangt das Abwasser von der linken auf die rechte Rheinseite?
Mehr als 80 Prozent des gesamten Kölner Abwassers werden im Großklärwerk Köln-Stammheim gereinigt. Ein Großteil des linksrheinischen Abwassers muss somit zum Großklärwerk auf der rechten Rheinseite transportiert werden. Dies geschieht mithilfe des 470 Meter langen Rheindükers, einer Druckleitung , die das Abwasser von Köln-Niehl unter dem Rhein bis nach Köln-Stammheim befördert. Da der Düker aus dem Jahr 1928 stammt und nicht mehr den heutigen technischen Standards entspricht, bauen die StEB Köln derzeit einen neuen Rheindüker.
Mehr zum Bau des neuen Rheindükers
Wie wird in den Klärwerken regenerativ gewirtschaftet?
Die StEB Köln reinigen jährlich enorme Mengen Schmutzwasser. Im Jahr 2021 waren es 71,8 Millionen Kubikmeter. Dabei haben wir beachtliche Mengen an Material aus dem Schmutzwasser geholt: 570 Tonnen Sand, 4.234 Tonnen Rechengut, darunter Papier, Plastik und andere Feststoffe, sowie 66.717 Tonnen Klärschlamm, der wichtige Nährstoffe wie Phosphor, Stickstoff und Kohlenstoff enthält.
Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. Rechengut und Klärschlamm sind für uns keine bloßen Abfälle mehr, sondern eine Quelle, um Rohstoffe und Energie zurückzugewinnen.
Wir entwickeln Methoden, wie sich diese Reststoffe als wertvolle Ressource nutzen lassen:
- Energiegewinnung: In Blockkraftheizwerken wird durch die Klärschlammfaulung und die Mitverarbeitung von Bioabfällen (Co-Fermentation) Strom und Wärme erzeugt. Die Abwärme des Großklärwerks Stammheim versorgt bereits 1.700 Wohnungen und 100 Einfamilienhäuser mit Fernwärme.
- Rohstoffrückgewinnung: Es wird aktiv an Verfahren zur Phosphorrückgewinnung gearbeitet, da Phosphor ein wichtiger und begrenzter Rohstoff ist.
- Zukunftspläne: Die StEB Köln streben bis 2030 Klimaneutralität an und wollen sogar zusätzliche Energie für die Stadt erzeugen.
Um den geänderten gesetzlichen Anforderungen der Klärschlamm- und Düngeverordnung zu entsprechen, planen wir gemeinsam mit den Stadtwerken Köln und weiteren Partnern den Bau einer Klärschlammverbrennungsanlage in Köln-Merkenich. Diese wird die nachhaltige Entsorgung des Klärschlamms auch in Zukunft sicherstellen.
Mehr über das Projekt Klärschlammverwertung
Von der Abwasserreinigung über die Energie- und Rohstoffrückgewinnung: Die StEB Köln stellen sich aktiv den Herausforderungen von Klimaanpassung, Energiewende und Digitalisierung. So sorgen wir dafür, dass die Wasserwirtschaft und Köln regenerativ, nachhaltig und zukunftsfähig bleiben.
Mehr dazu, wie die StEB Köln klimaneutral werden
Kann die Wärme des Abwassers genutzt werden?
Abwasser ist nicht kalt: Selbst im Winter liegt die Abwassertemperatur in der Regel zwischen 10 und 15 Grad Celsius. Unter günstigen Bedingungen kann es sich finanziell lohnen, Gebäude mit Abwasserwärme zu heizen.
Interaktive Abwasserwärmepotenzialkarte
Die Potenzialkarte zeigt einen Teil des unterirdischen Kölner Kanalnetzes. Dargestellt sind nur die Kanäle, die groß genug für den Einbau eines Wärmetauschers sind und in denen stets eine gewisse Abwassermenge fließt. Geben Sie einfach die gewünschte Adresse ein und rufen Sie erste Rahmendaten ab. Ob die Abwassermenge für eine geplante Beheizung ausreicht, muss jedoch im Einzelfall von Fachleuten geprüft werden.
Gut zu wissen!
Gemäß dem Landeswassergesetz NRW sind wir dazu verpflichtet, alle sechs Jahre ein Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) vorzulegen und jährlich über dessen Umsetzung zu berichten.
Die aktuelle Fassung finden Sie
hier in unserem Bereich "Publikationen und Downloads".
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