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Kölner Pegel

Das Klärwerk Köln-Rodenkirchen

Klärwerk Abwasser

Im Kölner Süden betreiben wir eines unserer fünf Klärwerke – eine leistungsfähige Anlage, die zuverlässig das Abwasser von rund 58.000 Menschen reinigt. Gleichzeitig produzieren wir hier selbst Strom und Wärme und setzen auf zukunftsweisende Technologien für mehr Nachhaltigkeit.

Was leistet das Klärwerk Köln-Rodenkirchen?

Das Klärwerk Rodenkirchen reinigt kommunales und gewerbliches Abwasser aus den südlichen Stadtteilen Kölns – Weiß, Sürth, Hahnwald, Godorf, Rondorf, Meschenich und Rodenkirchen. Die Anlage ist für eine Ausbaugröße von rund 88.000 Einwohnerwerten (EW) ausgelegt und erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen an die Abwasserbehandlung. 

Wir reinigen hier das Abwasser von rund 58.000 Einwohner*innen. Hinzu kommen industrielle und gewerbliche Abwässer, die eine zusätzliche Belastung von etwa 20.000 Einwohnergleichwerten verursachen. 

Besonders effizient: Ein Großteil der im Prozess benötigten Energie wird direkt vor Ort erzeugt – aus dem Klärschlamm. Hierdurch werden 85 Prozent des Eigenbedarfs an Strom und 100 Prozent des Eigenbedarfs an Wärme abgedeckt. Zusätzlich unterstützen Photovoltaikanlagen unsere Energieautarkie.

Wie wird das Wasser im Klärwerk Köln-Rodenkirchen gereinigt?

Vom Einlaufpumpwerk bis zur Nachklärung durchläuft das Abwasser mehrere Reinigungsstufen: 

Einlaufpumpwerk: Das Abwasser wird über zwei Sammelkanäle dem Klärwerk zugeleitet und mit Schneckenpumpen auf das notwendige Geländeniveau angehoben.

Mechanische Vorreinigung: In der Rechenanlage werden grobe Stoffe wie Papier, Plastik und Textilien entfernt. Im nachfolgenden belüfteten Sandfang wird eine zentrifugale Strömung erzeugt, die grob- und feinkörnige Stoffe abscheidet.

Anschließend gelangt das Abwasser zu den rechteckigen Vorklärbecken, in denen die Fließgeschwindigkeit so weit verringert ist, dass sich im Gegensatz zum Sandfang auch die leichten Schwebstoffe auf dem Beckenboden absetzen können. Eventuell auftretender Schwimmschlamm, zum Beispiel Fett, kann in den Vorklärbecken ebenfalls abgeschieden werden.

Biologische Reinigung: Im Belebungsbecken werden durch die Zugabe von Luftsauerstoff und der intensiven Durchmischung optimale Lebensbedingungen für die Mikroorganismen geschaffen. Hier erfolgt in verschiedenen Beckenzonen und Verfahrensschritten (zum Teil mit und ohne Sauerstoffeintrag) der weitergehende Abbau der gelösten Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphatverbindungen. Durch Zugabe von Metallsalzen in die Biologie werden Phosphatverbindungen nahezu vollständig beseitigt (Fällung).

Das Belebungsverfahren der biologischen Reinigungsstufe kann als die Umsetzung der natürlichen in Gewässern ablaufenden Selbstreinigungsprozesse in ein technisches Konzept verstanden werden.

Nachklärung: In den Nachklärbecken trennt sich der Belebtschlamm vom Wasser. Infolge geringer Fließgeschwindigkeit setzt er sich auf der Beckensohle ab und wird, da er erneut Reinigungsarbeit leisten soll, wieder in das Belebungsbecken zurückgeführt. Da die Biomasse unaufhörlich anwächst, muss ein Teil kontinuierlich als Überschlussschlamm (Sekundärschlamm) aus dem System entfernt werden.

Zusätzliche Filterstufe: Als dritte Reinigungsstufe kommt im Klärwerk Rodenkirchen eine biologische Flockungsfiltrationsanlage zum Einsatz. Sie ermöglicht eine weitergehende Entfernung von Schwebstoffen, eine Restnitrifikation und dient aktuell als Versuchsanlage zur Spurenstoffelimination – ein innovativer Schritt hin zu noch saubererem Wasser.

Schlammbehandlung: Der abgeschiedene Primär- und Sekundärschlamm wird vorgedickt und den Faulbehältern zugeführt. Hier werden bei 39 °C und unter Luftabschluss energiereiche organische Substanzen abgebaut. Dabei entsteht Faulgas, das zu etwa 60 % aus Methan besteht.

Schlammentwässerung: Der ausgefaulte Schlamm wird entwässert und erreicht dabei einen Trockensubstanzgehalt von ca. 30 %. Anschließend wird er in Containern gesammelt, abtransportiert und thermisch (Verbrennung) verwertet. Die Einhaltung der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Grenzwerte (insbesondere die Schwermetallkonzentrationen entsprechend der Klärschlammverordnung) wird durch aufwändige chemische Analysen überwacht.

Energienutzung: Das bei der Schlammbehandlung entstandene Faulgas wird als Brennstoff zur Beheizung der Faulbehälter und der Klärwerksgebäude sowie zur Stromerzeugung in zwei Blockheizkraftwerken eingesetzt. Dadurch deckt das Klärwerk rund 85 % seines Strom- und 100 % seines Wärmebedarfs selbst.

Abluftreinigung: Geruchsintensive Anlagenbereiche sind gekapselt. Die entstehende Abluft wird abgesaugt und über moderne Fotoionisationsanlagen gereinigt, um Geruchsemissionen auf ein Minimum zu reduzieren.

Wie hat sich das Klärwerk Köln-Rodenkirchen entwickelt?

Die Geschichte des Klärwerks Köln-Rodenkirchen beginnt in den 1950er Jahren: 1956 wurde die Anlage im Zuge des Ausbaus des Kanalnetzes erstmals in Betrieb genommen – zunächst noch mit rein mechanischer Abwasserreinigung. Hintergrund war der starke Wohnungs- und Siedlungsbau nach dem Zweiten Weltkrieg, der auch in Rodenkirchen eine geordnete Entwässerung erforderlich machte.

Mit dem wachsenden Einzugsgebiet – insbesondere in den Stadtteilen Weiß, Sürth, Hahnwald, Hochkirchen, Rondorf und Meschenich – wurde die Anlage von 1972 bis 1975 erstmals erweitert: Die mechanisch-biologische Reinigungsstufe kam hinzu und verbesserte die Reinigungsleistung deutlich.

1992 folgte ein weiterer Meilenstein: Durch die Erweiterung der biologischen Stufe und die Inbetriebnahme einer nachgeschalteten Filteranlage kann das Klärwerk seitdem auch Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor effizient aus dem Abwasser entfernen. Damit erfüllt die Anlage alle gesetzlichen Anforderungen an die moderne Abwasserreinigung.

Bis 2020 wurde schließlich die elektro- und maschinentechnische Ausrüstung umfassend erneuert. Das Klärwerk Köln-Rodenkirchen ist damit nicht nur leistungsfähiger und ressourcenschonender geworden, sondern auch optimal für die Zukunft aufgestellt.

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