Starkregen und Sturzfluten: Maßnahmen der StEB Köln
Starkregenereignisse treten in Köln vermehrt auf und können innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Überflutungen führen. Um Schäden an Eigentum und Infrastruktur zu minimieren, engagieren sich die Stadtentwässerungsbetriebe Köln mit vielfältigen Maßnahmen im Überflutungsschutz. Auch Sie können bereits vieles selbst tun und sind als Grundstücks- bzw. Hausbesitzer*in zu Vorsorgemaßnahmen verpflichtet.
Übersicht
Starkregen – was ist das?
Als Starkregen werden heftige, wolkenbruchartige Regenfälle bezeichnet, bei denen in kurzer Zeit sehr hohe Niederschlagsmengen fallen. Sie treten vor allem in den warmen Sommermonaten von Mai bis September auf. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen und es kommt zu Wolkenbildung. Beim Zusammentreffen mit kalter Luft kondensiert die Feuchtigkeit und ergießt sich in der Regel kleinräumig auf die Erdoberfläche. Diese unterwetterartigen Regenfälle sind schwer vorhersagbar und die Vorwarnzeiten entsprechend kurz.
Gemäß aktueller Prognosen werden, bedingt durch den Klimawandel, die globalen Temperaturen steigen, häufigere und längere Trockenperioden eintreten sowie die Anzahl und Intensität von Starkregenereignissen zunehmen.
Der folgende Animationsfilm vermittelt Ihnen Basisinformationen zu den Themen Klimawandel, Wetterextreme und Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel. Im Fokus stehen dabei der Leitgedanke der „Schwammstadt“ für die Stadt und die verschiedenen Möglichkeiten, mit denen die öffentliche Hand und die Bürger*innen bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels gemeinsam aktiv werden können.
Klimawandel: So wird Köln zur Schwammstadt
Was leisten die StEB Köln zum Schutz vor Starkregen?
Die StEB Köln engagieren sich auf vielfältige Art und Weise, um Köln bestmöglich vor den Folgen von Starkregen zu schützen. Ein Bestandteil des Überflutungsschutzes ist die kompetente Planung und der gewissenhafte Betrieb des rund 2.400 Kilometer langen Kölner Kanalnetzes. Zu den Maßnahmen gehören:
- Schaffung von Regenrückhalteräumen: Diese dienen dazu, überschüssiges Regenwasser temporär zu speichern und somit das Kanalnetz zu entlasten.
- Regelmäßige Inspektion, Wartung und Instandsetzung: Durch kontinuierliche Überprüfung und Pflege der Kanalisation wird deren Funktionsfähigkeit sichergestellt.
- Wasserbewusste Freiraumgestaltung: Durch Entsiegelung und Abkopplung von unbelasteten Flächen schaffen wir effektive Versickerungs- und Verdunstungsmöglichkeiten für Regenwasser.
- Reinigung der Straßenabläufe: Gereinigte Gullys gewährleisten einen ungehinderten Wasserabfluss und reduzieren das Risiko von Verstopfungen.
- Informationsangebote: Wir informieren über die Wassergefahren und über die richtigen Maßnahmen zur Eigenvorsorge.
Wasserbewusste Freiraumgestaltung
Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln fördern eine wasserbewusste Gestaltung von Stadt- und Freiräumen, um die Auswirkungen von Starkregen zu mindern und die Regenwasserbewirtschaftung voranzutreiben. In Zusammenarbeit mit Fachplaner*innen der Stadt Köln wurde der Leitfaden "Wasserbewusste Freiraumgestaltung" entwickelt, der Standards für die Regenwasserbewirtschaftung und Starkregenvorsorge bei der Planung neuer Baugebiete definiert. Ziel ist es, Regenwasser sinnvoll zu nutzen und zwischenzuspeichern, um die Folgen von Dürre und Starkregen zu abzufedern und die Gefährdung von Gebäuden zu minimieren.
Ein Beispiel für diese Strategie sind multifunktionale Retentionsflächen, wie sie im Kölner Stadtteil Porz-Eil mit den „Eiler Plätzen“ am Eiler Schützenplatz sowie am Platz an der Leidenhausener Straße umgesetzt wurden. Diese öffentlichen Freiflächen, wie Plätze oder Grünanlagen, dienen bei Starkregen als temporäre Speicher für Regenwasser und verbessern gleichzeitig die Aufenthaltsqualität im urbanen Raum.
Online-Tools zur Eigenvorsorge
Für Bürger*innen bieten die StEB Köln hilfreiche Online-Tools zur individuellen Vorsorge:
- Starkregengefahrenkarten: Diese Karten zeigen, wo im Kölner Stadtgebiet Gefahren durch Sturzfluten und Starkregen bestehen. Sie sind ein wichtiges Instrument, um die individuelle Situation einzuschätzen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu planen.
Hier geht es zu den interaktiven Karten - Wasser-Risiko-Check: Dieses Tool ermöglicht es, die Gefährdung des eigenen Zuhauses durch Starkregen, Hochwasser oder Grundhochwasser zu ermitteln. Nach Eingabe der Adresse und Beantwortung eines Fragebogens erhält man konkrete Auswertungen zur Gefahrenlage sowie passende Maßnahmenempfehlungen.
Hier geht es zum Check
Häufig gestellte Fragen
Was ist Starkregen?
Von Starkregen spricht man, wenn in kurzer Zeit besonders hohe Niederschlagsmengen auftreten. Im Gegensatz zu Dauerregen tritt Starkregen meist räumlich begrenzt auf. Folglich kommt es zu lokalen Überflutungen. Diese können überall auftreten – auch dort wo sich keine Gewässer befinden. Es gibt keine einheitliche Definition von Starkregen. Der Deutsche Wetterdienst warnt beispielsweise vor Starkregen (Warnstufe „orange“), wenn
- 15 Millimeter bzw. Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde vorhergesagt sind
- oder 20 Millimeter bzw. Liter Regen pro Quadratmeter in 6 Stunden vorhergesagt sind.
Wann tritt Starkregen auf? Lässt sich Starkregen vorhersagen?
Starkregen tritt typischerweise in den warmen Sommermonaten, insbesondere in den Monaten Juni bis August auf. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Trifft die warme Luft mit kalter Luft zusammen, kondensiert die Feuchtigkeit schlagartig. Unwetterartige, zumeist lokal begrenzte Regenfälle sind die Folge. Wo genau ein Starkregenereignis eintritt, lässt sich jedoch nicht bzw. nur unmittelbar im Voraus vorhersagen.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert fortlaufend über die Warnsituation in Deutschland. In der Wochenvorhersage und dem Warnlagebericht für die nächsten 24 Stunden wird erläutert, in welchen Regionen in Deutschland mit besonderen Wetterereignissen zu rechnen ist. Um kurzfristige, örtliche Warnungen vor Unwetterlagen wie z.B. Starkregen zu erhalten, empfiehlt sich die Nutzung einer mobilen Warnwetter App (z.B. App „Warnwetter“ des DWD: WarnWetter-App
Wird Starkregen in Zukunft häufiger auftreten?
Auch in Deutschland steigen die Temperaturen infolge des Klimawandels stetig an. Die steigenden Temperaturen begünstigen bereits derzeit nachweislich extreme Wetterlagen, wie zum Beispiel die Entstehung von Starkregen und Gewitter. Aufgrund der fortschreitenden Klimaerwärmung rechnen Forscher*innen auch in Zukunft mit einer Zunahme von extremen Regenfällen, Hitzewellen und Stürmen. Es wird jedoch nicht nur die Häufigkeit von Starkregenereignissen zunehmen, sondern auch die Intensität der Regenfälle. Die Annahme vieler Klimaforscher*innen stimmt also: die Erderwärmung verschärft Extremwetterlagen
Was unterscheidet Starkregen von Rheinhochwasser?
Das Rheinhochwasser tritt in Köln entlang des Rheins auf, wenn der Pegel des Flusses stark ansteigt und angrenzende Flächen flutet. Die betroffenen Gebiete lassen sich hierbei gut eingrenzen. Starkregen kann dagegen überall auftreten. Im Gegensatz zum Rheinhochwasser, das sich mehrere Tage im Voraus ankündigt und recht genau vorhergesagt werden kann, hat Starkregen kurze Vorwarnzeiten. Während das Rheinhochwasser typischerweise nach starken Regenfällen und Tauwetter im Winter auftritt, kommt Starkregen vor allem im Sommer vor.
Welche Gebiete und Objekte sind besonders gefährdet?
Bei Starkregen besteht eine besondere Gefährdung für die folgenden Gebiete:
- Grundstücke in der Nähe von Bächen
- Grundstücke in Senken
- besonders dicht besiedelte Stadtviertel mit hoher Bodenversiegelung
- Grundstücke am Hang. Hier kann es zu wild abfließendem Oberflächenwasser mit hohen Fließgeschwindigkeiten kommen.
Bei Starkregen besteht eine besondere Gefährdung für die folgenden Objekte:
- tiefliegende bzw. unterirdische Räume oder Infrastrukturen, in die das Wasser bei Starkregen eindringen kann (z. B. Souterrainwohnungen, Keller, Tiefgaragen, Unterführungen, Tunnel, U-Bahnhöfe)
- Objekte in Bereichen ohne ausgeprägte Bordsteinkante (Hier kann wild abfließendes Oberflächenwasser der Straße in Gebäude eindringen.)
- tiefliegende Räume in Gebäuden ohne Rückstausicherung.
- Gebäude mit ebenerdigem Zugang oder bodentiefen Fenstern
Warum wird das Kanalnetzt nicht ausgebaut und vergrößert?
Das Kanalnetz entspricht den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Es ist für Regenfälle ausreichend dimensioniert. Für seltene bzw. extreme Starkregenereignisse kann und braucht ein Kanalnetz nicht ausgelegt sein. Hier ist es wesentlich sinnvoller, Überflutungen von Verkehrsflächen und Freiflächen in Kauf zu nehmen. Gegen außergewöhnliche Starkregenereignisse ist auch eine Rückhaltung auf Verkehrs- und Freiflächen nicht mehr ausreichend. An dieser Stelle sind gezielte Objektschutzmaßnahmen notwendig, um ein Eindringen des Wassers ins Gebäude zu verhindern. Ein Ausbau des Kanalnetzes wäre aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll und würde zu einer unzumutbaren Verteuerung der Abwassergebühren führen. Darüber hinaus fällt bei Starkregen oft so viel Niederschlag innerhalb von kurzer Zeit, dass das Wasser gar nicht in die Kanalisation gelangt, sondern direkt an der Oberfläche abfließt
Deutsches Klimavorsorge-Portal (KLiVO)
Unsere Tätigkeiten im Bereich der Überflutungsvorsorge wurden ins KLiVO Portal aufgenommen. So tragen unsere Angebote wie Leitfäden und der Wasser-Risiko-Check nun das Label „Empfohlen von KLiVO“.
Steckbrief im KLiVO-Portal entdeckenBeratungsangebote und Ausstellungen
Die StEB Köln bieten auch persönliche Beratungstermine an, in denen individuelle Fragen und Probleme besprochen werden können. Interessierte Bürger*innen können unter der Telefonnummer 0221 221-26509 einen Termin mit Fachexpert*innen vereinbaren. Halten Sie dafür bitte relevante Unterlagen, wie beispielsweise Pläne des betroffenen Hauses mit Lage der Grundleitungen oder Fotos, bereit. Bitte beachten Sie hierbei, dass unsere Beratung einen Ortstermin mit einem sachkundigen Unternehmen nicht ersetzen kann.
Zusätzlich informiert eine Wanderausstellung in den Bürgerämtern anschaulich über Schutzmöglichkeiten. Die Inhalte der Ausstellung in komprimierter Form finden Sie hier in der Broschüre Starkregeninformationen.
RegenKompass
Klimafolgenanpassung geht uns alle an. Wichtig ist, dass auch Privatpersonen Maßnahmen treffen, um die Folgen der Klimaveränderung zu mindern.
Der RegenKompass bietet Infos und Anleitungen zur wasserbewussten Gestaltung von Grundstücken. Hier erhalten Sie Tipps zur Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung von Flächen sowie zur Versickerung und Regenwassernutzung. Ziel ist es, das Überflutungsrisiko zu reduzieren und die Grundwasserneubildung und das Stadtklima zu verbessern.
Wie kann Wasser in mein Gebäude eindringen?
Bei einem Unwetter kann Wasser auf unterschiedlichen Wegen auf Ihr Grundstück gelangen oder in Ihr Haus eindringen:
- Auf der Erdoberfläche abfließendes Regenwasser kann über tiefer oder ebenerdig liegende Gebäudeöffnungen (z.B. Türen, Treppen, Lichtschächte oder Garageneinfahrten) in Ihr Gebäude eindringen.
- Das Wasser im Kanal steigt an und drückt durch den Hausanschluss in den Keller oder in die Tiefgarage. Wenn Sie keine Rückstausicherung haben, kommt es zur Überflutung. Achtung: Ein Keller ohne Rückstauschutz kann auch bei leichten Regenfällen oder trockenem Wetter überflutet werden.
- Es kann nach Starkregen oder während langanhaltender Nässeperioden zu einem Aufstauen von Sickerwasser am Gebäude kommen. Dieses Wasser kann in Ihr Gebäude eindringen oder für feuchte Wände bzw. Beschädigungen an der Gebäudesubstanz sorgen.
- Bäche können schlagartig anschwellen und bebaute Gebiete überfluten.
- Zusätzliche Zerstörung: Überflutung von Gärten und Terrassen, Aufschwimmen von Öltanks und Ölschäden.
Beispiele für Schäden
Wie kann ich mein Eigentum schützen?
Eine gute Vorbereitung hilft, Schäden zu vermeiden oder zumindest zu begrenzen. Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln empfehlen eine Kombination aus baulichen Sicherheitsvorkehrungen und gezielter Vorsorge, um Immobilien bestmöglich abzusichern.
Welche Präventivmaßnahmen gibt es?
- Abschirmung des Hauses: Hochwasserschutzbarrieren, wasserdichte Lichtschachtabdeckungen, Rückstausicherungen
- Abdichtung: Rohrdurchführungen, Mauerwerksrisse und Bodenplatten nachträglich sichern
- „Nasse Vorsorge“: Schäden begrenzen, Technik erhöht aufstellen, wasserfeste Bodenbeläge nutzen
- Elementarschadenversicherung: Schützt vor finanziellen Folgen von Starkregen und Hochwasser
Weitere Informationen zur Absicherung gegen Elementarschäden finden Sie auf den Internetseiten des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und der Internetseite des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).
Mehr zum Thema finden Sie hier im Magazin im Artikel: Eigenvorsorge gegen Hochwasser
Einen guten Überblick über sinnvolle Vorsorgemaßnahmen bietet unsere Checkliste Starkregenvorsorge.
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