Hochwassergeschichte Kölns
Köln und der Rhein – eine Beziehung, die von Ambivalenz geprägt ist. Der Fluss ist über Jahrhunderte hinweg Lebensader und Bedrohung zugleich. Immer wieder kommt es zu verheerenden Hochwassern, die ganze Stadtteile überfluten und bleibende Spuren hinterlassen.
Übersicht
Die Geschichte des Hochwassers – vom 14. Jahrhundert bis heute
Der erste dokumentierte Hochwasserstand stammt aus dem Jahr 1342. Schon damals versuchte man, den Rhein zu “zähmen”. 1784 sorgte ein extremes Hochwasserereignis für einen großen Einschnitt: Der Rhein trat nach einem eisreichen Winter und plötzlichem Tauwetter massiv über die Ufer. Menschen ertranken, Häuser stürzten ein, das Stadtbild veränderte sich.
Im Laufe der Jahrhunderte kam es immer wieder zu Hochwasser – 1882, 1920, 1926 und in jüngerer Vergangenheit 1993 sowie 1995, als der Kölner Pegel die 10-Meter-Marke überschritt. Diese letzten beiden Ereignisse führten nicht nur zu großflächigen Überflutungen, sondern auch zu einem grundlegenden Umdenken in Sachen Hochwasserschutz. Jedes dieser Ereignisse brachte also nicht nur Zerstörung, sondern auch Fortschritt. Die Stadt reagierte mit Deicherhöhungen, mobilen Schutzsystemen und der Einrichtung einer Hochwasserzentrale.
Jahrhunderthochwasser 1993 & 1995
Chronologie bedeutender Hochwasserereignisse
25.07.1342 / 11,52 m K.P.
Am St. Magdalenentag, dem 25.07. nach heutiger Zeitrechnung, kommt es zur schlimmsten Hochwasserkatastrophe des gesamten Jahrtausends in Europa. Heftige, großräumige Niederschläge lassen die Pegel sämtlicher Flüsse Mitteleuropas auf Rekordpegel ansteigen, so dass ganze Städte im Wasser versinken. Das Hochwasser gilt auch deswegen als ungewöhnlich, weil es im Sommer aufgetreten ist. Für Köln ist es das schwerste Sommerhochwasser aller Zeiten. Die Bewohner fahren mit Booten über die Stadtmauern.
28.02.1784 / 13,55 m K.P.
Das Eishochwasser von 1784 gilt als das schwerste in Kölns Geschichte. Nach einem eisreichen Winter mit wiederholtem Tauwetter türmen sich riesige Eisstaue auf. Der Rhein friert vollständig zu – es finden sogar Feste auf dem Eis statt. Am 28. Februar erreicht der Pegel mit 13,55 m seinen historischen Höchststand.
29.11.1882 / 10,53 m K.P.
Starke Regenfälle lassen den Pegel auf 10,53 m steigen – das schwerste Hochwasser des 19. Jahrhunderts. Am Oberrhein werden Rekordabflüsse gemessen. Weil die Mosel weniger Wasser führt, schwächt sich die Welle ab Koblenz etwas ab. In Köln trifft das Hochwasser dennoch überraschend ein – mangels Vorwarnung durch die Zeitungen.
16.01.1920 / 10,59 KP
Beim 1920er-Hochwasser wird der höchste Pegelstand seit 1784 registriert. Ausgelöst werden die Überschwemmungen durch heftige Regenfälle in Verbindung mit der Schneeschmelze in den Mittelgebirgen. Als Reaktion richtet die Stadt Köln erstmals eine Hochwasserschutzzentrale ein.
01.01.1926 / 10,70 m K.P.
Beim Neujahrshochwasser 1926 erreicht der Pegel 10,70 m – und hält fünf Tage lang konstant an. Stromausfälle und Dammbrüche drohen, besonders in Merkenich. Obwohl Köln aufgerüstet und 14 km Stege verbaut hat, können Helfer*innen mit Hilfe von Sandsäcken und Lehm nur knapp eine Katastrophe verhindern.
02.01.1948 / 10,42 m K.P.
Nach dem Krieg blockieren Trümmer zerstörter Brücken den Abfluss des Rheins. Das Wasser staut sich zusätzlich – der Wasserstand steigt auf 10,42 m. Die Folge: eine verschärfte Hochwassersituation trotz vergleichsweiser moderater Zuflüsse.
29.05.1983 / 9,96 m K.P.
Zum zweiten Mal in diesem Jahr tritt der Rhein über seine Ufer. Es ist gleichzeitig das höchste Hochwasser seit ca. 50 Jahren. Ausgelöst wird es durch das Zusammentreffen von starken Regenfällen in den Mittelgebirgen mit Frühlingstauwasser aus den Alpen. Zudem sind die Böden im Rheineinzugsgebiet komplett wassergesättigt. Die Kölner Altstadt und Teile von Rodenkirchen, Zündorf, Worringen, Kasselberg und Poll werden überschwemmt.
29.03.1988 / 9,95 m K.P.
Nach wochenlangem Hochwasser verschärft Dauerregen die Lage. Zum ersten Mal wird die neue mobile Hochwasserschutzwand aufgebaut – und bewährt sich: Sie hält bis zu einem Pegel von 10 m stand. Köln bleibt knapp von einer Überflutung verschont. Der Rhein stoppt bei 9,95 m.
24.12.1993 / 10,63 m K.P.
Weihnachten 1993 erlebt Köln sein erstes „Jahrhunderthochwasser“. Die neue Schutzwand wird überspült, Teile der Altstadt stehen unter Wasser. Der Pegel steigt mit bis zu 10 cm pro Stunde und erreicht 10,63 m – so hoch wie seit 1926 nicht mehr. Die Katastrophe bringt die Diskussion über Ursachen und Vorsorge in Gang.
30.01.1995 / 10,69 m K.P.
Zwei Jahre später folgt die nächste Jahrhundertflut – diesmal noch höher. Regen, Tauwetter und Zuflüsse von Mosel und Sieg lassen das Rheinhochwasser zeitweise um 21 cm pro Stunde auf 10,69 m steigen. Rund 1.740 Hektar werden überflutet, 33.000 Menschen sind betroffen. Dank verbesserter Schutzsysteme sind die Schäden mit ca. 35 Mio. Euro nur halb so hoch wie beim Weihnachtshochwasser 1993.
Chronologie der jüngsten Hochwasserereignisse seit 2000
11.01.2011 / 8,91 m K.P.
Die baulichen Maßnahmen des Hochwasserschutzkonzeptes der Stadt Köln von 1996 wurden im Jahre 2008 durch die StEB fertig gestellt, so dass die neuen Schutzeinrichtungen das erste Mal im Ernstfall eingesetzt werden konnten. Insgesamt wurden ca. 1,3 km mobile Wände aufgebaut. Es waren 21 Pumpwerde in Betrieb und mehr als 400 Schiebermaßnahmen sind durchgeführt worden. Zusätzlich wurden in Rodenkirchen (Uferstraße) und Kasselberg für den Fährdienst Stege aufgebaut. Die DLRG führte den Fährdienst in Rodenkirchen und Kasselberg durch.
07.01.2012 / 7,78 m K.P.
Erste oberirdische Hochwasserschutzmaßnahmen wurden durchgeführt. Unter anderem wurde das Hubtor in Rodenkirchen hochgefahren und erste mobile Wände wurden aufgestellt.
29.12.2012 / 7,83 m K.P.
Ein Hochwasser kennt weder Wochenenden noch Feiertage. Da die Wetterlage nicht rosig aussah, wurden vor Weihnachten die oberirdischen Maßnahmen bis zu einem Wasserstand von 9,00 m K.P. vorsorglich aufgebaut, wie z. B. das Hubtor in Rodenkirchen oder Teile der mobilen Wand in der Altstadt. Allerdings blieben die Wegbeziehungen erhalten. Man kam auch weiterhin, dort wo es möglich war, ungehindert zum Rhein. Auch unterirdisch wurde viel gemacht, z.B. die Schieber von Rheinauslässen geschlossen und Pumpwerke in Betrieb genommen. Ab Silvester konnten die ersten mobilen Wände wieder abgebaut werden.
05.02.2013 / 7,54 m K.P.
Nach dem Weihnachtshochwasser sank der Rhein bis auf 2,60 m K.P. (28.01.2013). Durch Schneeschmelze und starke Regenfälle stieg der Rhein aber wieder an und erreichte den Höchstwasserstand am 05.02.2013 mit 7,54 m K.P. Somit musste in der Altstadt kein Hochwasserschutz aufgebaut werden. Außerdem sank der Rhein über die Karnevalstage, so dass die Jecken ungestört feiern konnten.
05.06.2013 / 7,65 m K.P.
Aufgrund starker Niederschläge und einer hohen Bodenfeuchte stieg der Rhein auf 7,65 m K.P. an. Dabei hat das Rheingebiet im Gegensatz zum Donau- und Elbegebiet noch sehr viel Glück gehabt. Dies kam u. a. daher, dass das Wasser des Moselhochwassers eine Woche vorher durch Köln geflossen ist und der Niederschlag im Zeitraum Ende Mai / Anfang Juni nur am Rande des Einzugsgebietes am Oberrhein und nicht in so großer Menge niedergekommen ist. Zusätzlich sind am Ober- und Mittelrhein 6 Rückhalteräume (Retentionsräume) geflutet worden.
08.01.2018 / 8,78 m K.P.
Starke Regenfälle, ungewöhnlich warme Temperaturen und stark gesättigte Böden waren die Hauptursachen für das Hochwasser im Januar 2018. Besonders niederschlagsreich waren Vogesen und Schwarzwald. Zwei Niederschlagsperioden vom 01. bis 05.01.2018 sowie vom 15. bis 22.01.2018 sorgten dafür, dass rheinnahe Wege gesperrt, mobiler Hochwasserschutz aufgebaut und 318 Schieber und 15 Pumpwerke in Betrieb genommen worden sind. Der erste Höchststand der Hochwasserwelle war am 08.01.2018 mit 8,78 m Kölner Pegel (KP) und der zweite Höchststand wurde am 27.01.2018 mit 8,25 m KP erreicht.
06.02.2020 / 7,99 m K.P.
Am 06.02.2020 wurde der maximale Rheinwasserstand am Kölner Pegel mit 7,99 m Kölner Pegel (KP) gemessen. Sehr viel Niederschlag als Regen im gesamten Rheineinzugsgebiet, ließ den Rhein mit einer sehr hohen Steigerungsrate von 8 bis 12 cm in der Stunde, in einer sehr kurzen Zeit sehr schnell ansteigen. Diese hohen Steigerungsraten über einen Zeitraum von 19 Stunden hatten wir das letzte Mal bei den Hochwasser in den 90er-Jahren. Es war dieses Mal auch eine sehr lange Hochwasserwelle, die einen Hochwassereinsatz von fast 7 Wochen erforderte.
07.02.2021 / 8,69 m K.P.
Am 07.02.2021 wurde der maximale Rheinwasserstand am Kölner Pegel mit 8,69 m Kölner Pegel (KP) gemessen. Viel Schmelzwasser, aufgrund des Tauwetters in den Mittelgebirgen, und gleichzeitig viel Niederschlag als Regen im gesamten Rheineinzugsgebiet, ließen den Rhein ansteigen. Dieses Ereignis war ein normales Winterhochwasser, wenn der vorhandene Schnee, aufgrund der hohen Temperaturen, taut und gleichzeitig Regen fällt. Laut der derzeitigen Hochwasserstatistik tritt diese Hochwasserhöhe ca. alle 3,5 Jahre auf.
17.07.2021 / 8,06 m K.P.
In der zweiten Monatsdekade sorgte das Tief „Bernd“ für anhaltende bzw. wiederkehrende Starkniederschläge im gesamten Einzugsgebiet des Rheins, so dass der Rheinwasserstand seinen Höchststand am 17.07.2021 mit 8,06 m Kölner Pegel (KP) erreichte. Ein Flusshochwasser ist im Sommer nicht ungewöhnlich und trat u. a. in 2013 auf. Zur Abflussminderung des Hochwassers am Oberrhein wurden 3 Rückhalteräume (Hochwasserrückhalteraum Polder Erstein bei Straßburg und die beiden baden-württembergischen Rückhaltemaßnahmen Kulturwehr Kehl und Polder Altenheim) in Betrieb genommen.
06.01.2024 / 8,23 m K.P.
Seit Mitte November 2023 ist im kompletten Rheineinzugsgebiet sehr viel Niederschlag als Regen gefallen, dazu kam Anfang Januar eine kurze Schneeschmelze aus dem Mittelgebirge, so dass nach 55 Tagen der Rhein mit 8,23 m KP einen Höchststand erreicht hat. Hochwasser in Köln beginnt ab 4,50 m KP. Weil der Rhein in Köln 61 Tage lang diese Marke nicht mehr unterschritten hatte, ist dieses Hochwasserereignis das längste seit der Wasserstandsaufzeichnung ab 1816.
11.01.2025 / 7,79 m K.P.
Regen im Rheineinzugsgebiet (vor allem im Moseleinzugsgebiet) und Tauwetter im Mittelgebirge sorgten dafür, dass der Rheinwasserstand seit Anfang des Jahres gestiegen ist. Den Höchststand dieser ersten Hochwasserwelle in 2025 hatte der Rhein am 11.01.2025 mit 7,79 m Kölner Pegel (KP) erreicht. Es sind Steigerungsraten von bis zu 10 cm pro Stunde gemessen worden. Neben den technischen Schutzmaßnahmen für das Kanalnetz sind das Hubtor und erste mobile Schutzelemente in Rodenkirchen aufgebaut worden.
Hochwasser nach 1995 - bisher kein Wasserstand über 10 Meter Kölner Pegel
Nach den beiden Jahrhunderthochwassern Mitte der 1990er Jahre ist Köln bisher von weiteren Hochwasser mit Wasserständen über 10 Metern verschont geblieben. Dennoch kam es regelmäßig zu Hochwasserereignissen, bei denen die Schutzmaßnahmen der Stadt und der StEB Köln erfolgreich zum Einsatz kamen. Viele davon waren geprägt durch Dauerregen, Schneeschmelze oder Starkniederschläge in den Zuflüssen wie Mosel, Lahn oder Sieg.
Vom Deich zum System: Die Lehren aus der Geschichte
Köln hat aus seiner Hochwassergeschichte gelernt. Die StEB Köln betreiben eine eigene Hochwasserzentrale, koordinieren den Hochwassereinsatz, führen Wasserstandsvorhersagen durch und sorgen somit für reibungslose, planbare Abläufe bei Hochwasser.
Heute gibt es ein Schutzkonzept für 70 Kilometer Rheinufer in Köln: Ein wichtiger Bestandteil davon sind die mobilen Wände, die im Hochwasserfall auf circa 11 Kilometer der Uferlänge aufgebaut werden.
Denn die Klimakrise bringt neue Herausforderungen für Köln: höhere Niederschläge (zum Beispiel im Rheineinzugsgebiet mehr Regen im Winter) und generell extremere Wetterlagen.
Lehren aus der Hochwassergeschichte:
- Sie zeigt, für welche Hochwasserereignisse sich Städte wappnen müssen.
- Sie macht deutlich, wie wichtig Vorsorgemaßnahmen - der Stadt und ihrer Bürger*innen - sind.
- Sie erinnert daran, dass technischer Schutz wichtig ist, aber nicht jedes Risiko abwehren kann.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der höchste jemals gemessene Pegel in Köln?
Am 27. Februar 1784 erreichte der Pegel Köln mit ca. 13,55 m seinen historischen Höchststand.
Wann treffen die StEB Köln erste Hochwasserschutzmaßnahmen?
Ab einem Rheinwasserstand von 4,50 m Kölner Pegel treffen die StEB Köln im Kanalnetz erste Maßnahmen, um zu verhindern, dass Rheinwasser ins städtische Kanalnetz dringt. Was ab welchem Rheinwasserstand konkret unternommen wird, erfahren Sie hier.
Seit wann hat Köln ein eigenes Hochwasserschutzkonzept?
Das Hochwasserschutzkonzept wurde nach den beiden Hochwassern 1993 und 1995 als kommunaler Aktionsplan entwickelt und schon im Februar 1996 wurde das Hochwasserschutzkonzept einstimmig im Kölner Rat beschlossen.
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