Kölner Pegel

Gerüche in der Kanalisation – und was wir dagegen tun

Kanalisation Klärwerk Abwasser

Ob an heißen Spätsommertagen oder bei Bauarbeiten im Klärwerk: Wenn es in Köln plötzlich streng riecht, steckt manchmal das Abwasser dahinter. Doch wie entstehen diese Gerüche? Wie lassen sie sich vermeiden – und was tun die StEB Köln konkret dagegen? Ein Blick unter die Kanaldeckel.

Führt die Abwasserableitung zu Gerüchen?

Frisches Abwasser stinkt nicht – zumindest nicht so, wie viele denken. Zwar hat auch unbehandeltes Abwasser einen Eigengeruch, doch solange es ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist, bleibt dieser in der Regel unter der Wahrnehmungsschwelle. Genau das macht sich das Kölner Kanalnetz zunutze: Es ist als sogenanntes offenes System gebaut, in dem über Schächte und Lüftungsöffnungen Umgebungsluft in die Kanäle strömt. So bleibt das Abwasser „frisch“ – also sauerstoffreich – und führt nur in Ausnahmefällen zu Geruchsbelästigungen an der Oberfläche.

Köln nutzt wie die meisten mitteleuropäischen Städte ein sogenanntes Schwemmsystem. Dabei werden Schmutz- und Regenwasser gemeinsam über die Kanalisation zur Kläranlage geleitet. Die Kanäle sind so ausgelegt, dass auch bei geringem Abwasseraufkommen – etwa nachts – Feststoffe zuverlässig mitgeschwemmt werden. So kommt es kaum zu Ablagerungen, die durch Fäulnisprozesse übelriechende Gase wie Schwefelwasserstoff freisetzen könnten.

Ganz geruchsfrei lässt sich eine Kanalisation jedoch nie betreiben. Besonders im Spätsommer und Herbst – bei warmem Wasser in den Kanälen und kühlerer Außenluft – strömt die Luft nach oben. Solche Gerüche sind unvermeidlich, aber meist nur direkt über Kanalschächten wahrnehmbar.

Doch auch klimatische Veränderungen und ein sinkender Trinkwasserverbrauch spielen für etwaige Geruchsbildungen eine Rolle, wie im nächsten Kapitel erklärt wird. 

Unter welchen Bedingungen treten Gerüche auf?

Gerüche aus dem Kanal entstehen vor allem, wenn sich Feststoffe ablagern und Fäulnisprozesse einsetzen – etwa bei längerem Trockenwetter, geringem Wasserverbrauch oder stehenden Abwässern. Auch heiße Sommer, die häufiger auftreten, tragen ihren Teil dazu bei. Seit 1990 ist der Trinkwasserverbrauch in Köln um 20 % gesunken – trotz wachsender Bevölkerung. Das schont die Ressourcen. Weniger Wasser im Kanal bedeutet aber auch eine geringere Strömung bzw. Fließgeschwindigkeit in den Kanälen. Die Folge: Ablagerungen werden nicht ausreichend fortgespült – und damit steigt das Risiko für Geruchsbildung.

Auch auf den Klärwerken kann es zeitweise riechen – etwa bei Wartungsarbeiten, wenn Geruchsschutzanlagen abgeschaltet werden müssen, oder bei plötzlichen Belastungsspitzen durch Industrieabwässer.

Was tun die StEB Köln gegen Gerüche?

Um Gerüche zu vermeiden, setzen die StEB Köln auf eine Kombination aus vorbeugender Reinigung und gezielter Wirkstoffdosierung. Sinkkästen und das Kanalnetz werden regelmäßig gespült – an sensiblen Stellen sogar monatlich. Bei akuten Geruchsproblemen sind mobile Teams im Einsatz.

Ein natürlicher Biofilm, die sogenannte Sielhaut, wächst an den Kanalwänden. Sie ist normalerweise unproblematisch, löst sich bei Starkregen oder ausreichender Dicke von selbst ab. Messungen zeigen: Die Gerüche entstehen nicht durch die Sielhaut, sondern meist direkt aus dem fließenden Abwasser.

An ausgewählten Stellen im Netz setzen die StEB Köln Calciumnitrat ein, um Fäulnisprozesse zu verhindern. Dadurch wird die Bildung von Schwefelwasserstoff – dem typischen „faulen Eier“-Geruch – gehemmt. In Rodenkirchen und im linksrheinischen Netz hat sich diese Methode bewährt. In Langel konnte die Dosierung sogar reduziert werden. Im rechtsrheinischen Köln hingegen lieferten erste Tests bislang keine zufriedenstellenden Ergebnisse.

Ist Geruch messbar?

Ja – aber technisch komplex.

Elektronische Sensoren funktionieren bei klar definierten Stoffen, stoßen aber bei komplexen Mischungen wie im Kanal an ihre Grenzen.

Derzeit unverzichtbar: die menschliche Nase.

Professionelle Geruchserhebungen dauern mehrere Monate und bilden nur Durchschnittswerte ab – spontane Ereignisse werden dabei oft nicht erfasst.

Drei Gründe, warum Gerüche trotzdem selten auftreten

  1. Frisches Abwasser riecht nur unter besonderen Bedingungen unangenehm.
  2. Die Kölner Kanalisation ist so gebaut, dass Feststoffe weggespült werden.
  3. Die StEB Köln überwachen, reinigen und dosieren gezielt.

Was tun bei akutem Gestank?

Wenn es in Ihrer Straße oder Nähe unangenehm riecht, kann das viele Ursachen haben: Ablagerungen, Verstopfungen, stehendes Wasser – sowohl im öffentlichen Netz als auch auf privaten Grundstücken. Die StEB Köln prüfen, ob das Problem im öffentlichen Netz liegt – und beheben es.

Melden Sie Geruchsbelästigungen am besten direkt – mit möglichst genauer Zeit- und Ortsangabe:

Telefon: 0221 221-26868
E-Mail: anliegenmanagement@steb-koeln.de

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