Kölner Kanalnetz und Kanalisation
Das Abwasser der Stadt Köln wird über ein rund 2.400 Kilometer langes Kanalnetz zu den fünf Kölner Kläranlagen abgeleitet. Hier wird es gereinigt, bevor es in den Rhein fließt. Erfahren Sie mehr darüber, wie unser Abwassersystem funktioniert und welche modernen Verfahren bei der Sanierung oder Erneuerung des Kanalnetzes durch die StEB Köln zum Einsatz kommen.
Was geschieht im Kanalnetz?
Das Kölner Abwassernetz wird größtenteils im Mischsystem betrieben, bei dem Regen- und Schmutzwasser gemeinsam abgeführt werden. Um eine Überlastung bei Starkregen zu vermeiden, sorgen Stauräume und Entlastungsbauwerke für eine kontrollierte Ableitung des Wassers. In einigen Stadtgebieten kommt das Trennsystem zum Einsatz. Hier wird das Regenwasser getrennt entwässert und gezielt vor Ort versickert oder in nahegelegene Gewässer geleitet, wodurch die Kanalisation entlastet wird.
Damit das Abwassernetz dauerhaft leistungsfähig bleibt, sind regelmäßige Reinigung, Inspektion und Instandhaltung wichtig. Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln setzen auf moderne Technologien, um den Abflussbetrieb effizient zu optimieren – und das möglichst ohne größere bautechnische Veränderungen am bestehenden Netz.
Führt die Abwasserableitung und -reinigung zu Gerüchen?
Frisches Abwasser stinkt nicht! Klingt überraschend? Ist aber so! Natürlich hat auch frisches Abwasser einen Geruch. Wenn es aber genug Sauerstoff bekommt, riecht man es unter normalen Umständen auf der Straße nicht, der Geruch ist nur in Ausnahmesituationen wahrnehmbar.
Die Kölner Kanalisation nutzt diesen Vorteil. Es ist ein offenes System, bei dem über Kanalschächte und Lüftungsöffnungen frische Luft zugeführt wird. So bekommt das Schmutzwasser genug Sauerstoff, bleibt „frisch“ und verursacht normalerweise keine unangenehmen Gerüche.
In Köln fließen Ab- und Regenwasser meist gemeinsam durch die Kanäle zum Klärwerk. Wie überall in Mitteleuropa haben wir eine sogenannte Schwemmkanalisation. Die Kanäle sind so gebaut, dass auch nachts, wenn weniger Schmutzwasser anfällt, alle Feststoffe weitergespült werden und sich nicht absetzen können. Dadurch wird vermieden, dass sich Ablagerungen bilden, die zu Fäulnisprozessen und Geruchbildung führen können.
Unter welchen Bedingungen treten Gerüche auf? Und was tun die StEB Köln dagegen?
Wann muss ein Kanal erneuert werden?
Damit das Abwassersystem zuverlässig funktioniert, muss ein Kanal manchmal komplett erneuert werden. Das ist der Fall, wenn starke Schäden wie Risse, Löcher oder undichte Stellen eine Reparatur oder Sanierung nicht mehr möglich oder unwirtschaftlich machen.
Auch veränderte Rahmenbedingungen spielen eine Rolle: Wenn sich die Bebauung verdichtet oder die hydraulischen Anforderungen steigen, kann das bestehende Konstrukt zu klein werden und muss durch eine leistungsfähigere Infrastruktur ersetzt werden. Zusätzlich werden bei der Erschließung neuer Baugebiete neue Rohre benötigt, um die Abwasserentsorgung sicherzustellen.
Sanierung und Erneuerung – Methoden und Verfahren
Die StEB Köln inspizieren regelmäßig das Kanalnetz, um Schäden frühzeitig zu erkennen und geeignete Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. Je nach Zustand kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, um einen langfristig sicheren Betrieb zu gewährleisten. Dabei setzen wir auf moderne, umweltfreundliche Sanierungstechniken – von minimalinvasiven Reparaturen bis hin zu umfassenden Erneuerungen.
Reparatur – punktuelle Instandsetzung:
Nicht jeder Schaden im Kanalnetz erfordert gleich eine umfassende Sanierung. Bei kleineren Schäden wie Rissen, Wurzeleinwuchs oder undichten Fugen reicht häufig eine punktuelle Reparatur aus – entweder ferngesteuert mit Robotern oder durch Fachkräfte direkt vor Ort im Kanal.
Ferngesteuerte Reparaturverfahren:
Diese kommen vor allem bei nicht begehbaren Kanälen zum Einsatz. Die eingesetzten Roboter arbeiten präzise und schnell – ganz ohne Aufgrabungen:
- Fräsen: Beseitigung von Wurzeleinwuchs, Ablagerungen oder Fremdkörpern.
- Injektion: Abdichtung von undichten Stellen durch das gezielte Einbringen eines speziellen Harzes.
- Kurzliner: Verstärkung schadhafter Rohrstellen mit glasfaserverstärktem Harzvlies.
Manuelle Reparaturverfahren:
In begehbaren Kanälen müssen Fachkräfte in den Kanal einsteigen und die Schäden direkt vor Ort beheben – in Handarbeit und unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen:
- Fugensanierung: Erneuerung von schadhaften Verbindungsstellen zwischen den Rohrsegmenten.
- Injektion: Manuelles Verpressen von Rissen und Leckagen mit Harz.
- Mauer- und Putzarbeiten: Wiederherstellung beschädigter Wandungen oder Auskleidungen.
- Fräsen, Flexen, Stemmen: Entfernung loser oder schadhafter Materialien als Vorbereitung weiterer Maßnahmen.
Renovierung – umfassende Ertüchtigung:
Wenn ein Kanal in seinem Gesamtzustand noch renovierbar ist, aber schon eine Vielzahl kleinerer Schäden aufweist, ist eine umfassendere Sanierung notwendig. Bewährte Methoden sind:
- Schlauchlining: Ein mit Harz getränkter Schlauch wird in den Kanal eingezogen und ausgehärtet – ein stabiles „Rohr im Rohr“ entsteht. Diese Technologie hat sich in den letzten Jahrzehnten zum wichtigsten Verfahren der grabenlosen Kanalsanierung entwickelt.
- GFK-Einzelrohrlining: Spezielle Glasfaser-Kurzrohre werden in Kanalabschnitte eingesetzt und dauerhaft verbunden. Auch Kanäle mit gravierenden Standsicherheitsproblemen können mit diesem Verfahren saniert werden.
Beide Verfahren ermöglichen eine grabenlose Sanierung, wodurch Verkehrsbehinderungen und Kosten minimiert werden.
Erneuerung – Austausch beschädigter Kanäle:
Ist eine Rohrleitung stark beschädigt oder hydraulisch nicht mehr ausreichend, muss sie erneuert werden. Dabei wird zwischen zwei Bauweisen unterschieden:
- Offene Bauweise: Der Boden wird aufgebaggert, um neue Rohre direkt in der Baugrube zu verlegen. Bei leichtem Zugang ist diese Methode Standard.
- Geschlossene Bauweise: Bei stark befahrenen Straßen oder großer Tiefe erfolgt die Erneuerung unterirdisch mittels Rohrvortrieb oder Stollenbauweise.
Video: Kanalbaumaßnahmen in geschlossener Bauweise
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