Retentionsräume
Was sind Retentionsräume?
Retentionsräume sind gezielt überflutbare Flächen, die bei extremen Hochwasserereignissen genutzt werden, um den Pegel zu senken und Schäden zu vermeiden. Sie sind ein zentraler Baustein im modernen Hochwasserschutz – für Köln und die gesamte Rheinanliegerregion.
Warum benötigen wir Retentionsräume?
Bei extremen Hochwasserereignissen reicht der Schutz durch Deiche und technische Hochwasserschutzanlagen nicht mehr aus. Retentionsräume schaffen gezielte Entlastung: Sie nehmen bei Hochwasser kontrolliert Wasser aus dem Rhein auf und senken so den Wasserstand – nicht nur lokal, sondern auch flussabwärts. Selbst wenige Zentimeter können entscheidend sein, um kritische Infrastrukturen zu schützen, Evakuierungen zu vermeiden oder mehr Zeit für diese zu verschaffen. Der Begriff „Retention“ kommt vom lateinischen „retinere“ und bedeutet „zurückhalten“ – im Hochwasserschutz bedeutet das: kontrolliertes Fluten statt unkontrolliertes Überlaufen.
Welche Arten von Retentionsräumen gibt es?
Es gibt zwei Formen:
- Ungesteuerte Retentionsräume entstehen durch die Rückverlegung von Deichen. So kann sich das Hochwasser natürlich ausbreiten. Das führt zur Verzögerung kleinerer Hochwasserwellen und es entstehen ökologisch wertvolle Auwälder.
- Gesteuerte Retentionsräume sind eingedeichte Gebiete, die im Hochwasserfall kontrolliert geflutet werden. Durch ihren gezielten Einsatz kann zum richtigen Zeitpunkt die Hochwasserspitze gekappt werden.
Wichtig: Retentionsräume sind keine Rückhaltebecken. Sie dienen nicht der Abwasserbewirtschaftung, sondern ausschließlich dem Flusshochwasserschutz – bei Hochwasser aus dem Rhein, nicht bei Starkregen.
Welche Retentionsräume gibt es in Köln?
Köln leistet mit zwei Standorten einen aktiven Beitrag zum internationalen Hochwasserschutz entlang des Rheins:
- Köln-Porz-Langel: Seit 2009 in Betrieb, bietet dieser gesteuerte Retentionsraum Platz für bis zu 5 Mio. Kubikmeter Rheinwasser. Der Pegel kann dadurch in Köln um bis zu 5 cm gesenkt werden.
- Köln-Worringen: Dieser Retentionsraum befindet sich in der Umsetzung. Er soll bei Extremhochwasser gezielt geflutet werden und bis zu 17 cm Pegelabsenkung oder 14 Stunden Zeitgewinn für Evakuierungen ermöglichen.
Beide Standorte wurden schon im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes geplant und sind in den internationalen Aktionsplan Hochwasser der IKSR aufgenommen worden.
Technische und ökologische Standards
Die Bauwerke – Deiche, Ein- und Auslassbauwerke, Dämme und Pumpwerke – erfüllen höchste Sicherheitsstandards. Gleichzeitig achten die StEB Köln auf naturnahe Gestaltung und Artenschutz. Wo möglich, bleiben die Flächen zwischen den Einsätzen landwirtschaftlich nutzbar oder werden ökologisch weiterentwickelt.
Gut zu wissen!
Klimamodelle zeigen: Extremhochwasser werden häufiger. Retentionsräume gehören deshalb zu den wirkungsvollsten Maßnahmen für klimaangepassten Hochwasserschutz. Sie schützen Menschen, Infrastruktur und Natur – lokal in Köln und überregional entlang des Rheins.
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