Kölner Pegel

Retentionsraum Köln-Worringen

Überflutungsvorsorge Hochwasser

Der Retentionsraum Köln-Worringen ist der letzte Baustein des Hochwasserschutzkonzeptes für Köln und entschärft sowohl lokal als auch überregional das Hochwasserrisiko am Rhein.

Übersicht

Hochwasserschutz für Köln und den Niederrhein

Der geplante Retentionsraum Köln-Worringen ist Teil eines überregionalen Hochwasserschutzkonzepts entlang des Rheins. Ziel ist es, bei Extremhochwasser gezielt Wasser zurückzuhalten und den Wasserstand zu senken. Der Raum kann bei einer Flutung den Scheitelpunkt einer Hochwasserwelle um bis zu 17 cm absenken. Im besten Fall bleibt der Wasserstand unterhalb der kritischen Marke von 11,90 m – und Überflutungen im Kölner Norden werden verhindert. Steigt das Wasser dennoch höher, gewinnen Einsatzkräfte bis zu 14 Stunden für Evakuierungen und Schutzmaßnahmen.

Im Rahmen des „Aktionsplans Hochwasser“ der IKSR wurden geeignete Standorte für gesteuerte Retentionsräume identifiziert. Während am Oberrhein bereits viele Projekte realisiert wurden, fehlt im engen Mittelrheintal der Platz. Köln-Worringen ist der zweite steuerbare Retentionsraum auf dem Kölner Stadtgebiet. Zusammen mit den Retentionsräumen in Porz-Langel leistet Köln einen wichtigen Beitrag zum gemeinsamen Hochwasserschutz entlang des Rheins.

Wann wird der Retentionsraum geflutet?

Der Retentionsraum Köln-Worringen ist ein sogenannter „Notfallpolder“ und kommt nur dann zum Einsatz, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Rhein erreicht mindestens 11,70 m Kölner Pegel.
  • Die Vorhersage prognostiziert ein Überschreiten der 11,90-m-Marke.

Die Krisenstäbe des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln entscheiden nach dem Vier-Augen-Prinzip über den Einsatz des Retentionsraums. Nur bei einer einvernehmlichen Entscheidung wird der Retentionsraum geflutet. Die Flutungsbereitschaft wird mindestens 24 Stunden vorher ausgerufen – verbunden mit Lautsprecherdurchsagen, behördlichen Abstimmungen und technischen Vorbereitungen.

Die Flutung erfolgt über ein Einlassbauwerk, das bis zu 410 m³ Wasser pro Sekunde in den Retentionsraum leitet. Nach der Flutung erfolgt die Restentleerung des Retentionsraumes ab einem Wasserstand von unter 8 Metern Kölner Pegel über den Pletschbach und das Pumpwerk, das die Entleerungszeit von etwa 40 auf 28 Tage verkürzt.

Welche möglichen Auswirkungen gibt es auf das Grundwasser?

Der Grundwasserspiegel steigt bei Hochwasser ohnehin stark an. Auch ohne Retentionsraum kommt es in Worringen zu nassen Kellern. Durch die geplante Entleerung des Pletschbachs durch ein Pumpwerk kann der Spiegel im Flutungsfall stabilisiert werden. Zusätzlich wurde ein Grundwassermodell erstellt, das keine relevanten Auswirkungen auf Altlasten oder das Wasserwerk Weiler erkennen lässt.

Die geplanten Bauwerke im Überblick

1. Rheindeich:
Der Rheinhauptdeich zwischen Worringen und Langel ist bereits fertiggestellt. Er bietet Schutz bis zu einem Wasserstand von 11,90 m Kölner Pegel.

2. Deiche im Retentionsraum:
Im Südosten und im Nordwesten werden bis zu 6,50 m hohe Deiche errichtet.

3. Grundwasserregulierung:
In der Tieflage entlang der Bruchstraße und der Worringer Landstraße in Roggendorf werden Grundwasserregulierungen errichtet. Die beiden Unterführungen unter der Bahnstrecke werden durch Pumpen trocken gehalten.

4. Fangedamm:
Entlang der Brombeergasse wird ein Fangedamm gebaut. Dieses kompakte Bauwerk benötigt deutlich weniger Fläche als ein Deich.

5. Hochwasserschutzwand mit Spundwand:
Im Norden wird die Neusser Landstraße leicht angehoben und mit einer bis zu 1,20 m hohen Hochwasserschutzwand mit integrierter Spundwand versehen.

6. Ein- und Auslassbauwerk:
Das Bauwerk besteht aus 5 Klappen von je 6 m Länge. Dadurch können bis zu 410 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Retentionsraum fließen. Zusätzlich dient es als Auslassbauwerk zur Entleerung des Retentionsraumes.

7. Absperrbauwerke Pletschbach:
Zwei Absperrbauwerke sorgen dafür, dass der nur selten wasserführende Pletschbach im Fall einer Flutung verschlossen werden kann.

8. Restentleerungspumpwerk:
Die Entleerung des Pletschbaches und die Restentleerung des Retentionsraumes erfolgt ab dem Zeitpunkt der Flutung.

9. Amphibienbiotope:
Der Lebensraum für Amphibien wird durch die Biotope erweitert, sodass nach einer Flutung eine Rückbesiedelung in den Retentionsraum stattfindet.

Mögliche Auswirkungen auf Verkehr und Natur

Im Flutungsfall muss die Bundesstraße B 9 gesperrt werden. Der Verkehr wird großräumig über die A 57 und lokale Straßen umgeleitet. Da solche Einsätze nur bei Extremhochwasser erfolgen, sind auch andere Regionen im Rheinland betroffen – es kommt zu umfassenden Verkehrseinschränkungen.

Die Bauwerke des Retentionsraums sind so geplant, dass Natur und Landschaft möglichst wenig beeinträchtigt werden. Der Worringer Bruch bleibt als Naherholungs- und Naturschutzgebiet erhalten. Tiere können die Deiche überqueren; Kleintierdurchlässe und Querungshilfen sorgen für zusätzliche Durchgängigkeit. Für den geschützten Kammmolch entstehen Ausweichbiotope in direkter Nähe.

Da Flutungen sehr selten sind, kann sich der Auwald zwischen den Ereignissen ausreichend regenerieren.

Wo kann ich mich vor Ort näher informieren?

Die StEB Köln erfüllen ihre Aufgaben in besonderer Verantwortung für die Kölner Bevölkerung. Daher wollen wir vor Ort ansprechbar sein und die Planung und den Bau des Retentionsraumes transparent kommunizieren. Die Stadtentwässerungsbetriebe Köln informieren regelmäßig vor Ort im Bürgerbüro Hackhauser Weg 2 in Worringen. Hier beantworten Expert*innen Fragen zum Projekt und nehmen Hinweise auf. 

An folgenden Tagen stehen die StEB Köln-Mitarbeitenden zur Verfügung:

  • Montag, 16. März, 2026, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 19. März, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 23. März, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 30. März, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 09. April, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 13. April, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 23. April, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 27. April, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 07. Mai, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 11. Mai, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 21. Mai, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 28. Mai, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 01. Juni, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 11. Juni, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 15. Juni, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Donnerstag, 25. Juni, 10-12 und 13-16 Uhr
  • Montag, 29. Juni, 10-12 und 13-16 Uhr
     

Eventuelle Terminänderungen werden an dieser Stelle rechtzeitig bekanntgegeben.

Bei Fragen schreiben Sie gerne eine E-Mail: retentionsraum@steb-koeln.de

Häufige Fragen

Einsatz und Betrieb

Warum ein gesteuerter Retentionsraum statt einer Deichrückverlegung?

Bei einer Deichrückverlegung beansprucht der Fluss die Flächen schon zu Beginn einer Hochwasserwelle. Daher ist die ungesteuerte Retention durch Deichrückverlegung vor allem bei kleineren oder mittleren Hochwasserereignissen wirksam. Bei einem seltenen Hochwasser ist das Rückhaltevolumen jedoch bereits vor dem Eintreffen des Hochwasserscheitels „aufgebraucht“.

Der entscheidende Vorteil der gesteuerten Retention liegt darin, dass der Retentionsraum gezielt eingesetzt werden kann, um eine Hochwasserspitze zum richtigen Zeitpunkt zu kappen. Außerdem können die Flächen innerhalb des Retentionsraumes aufgrund des seltenen Einsatzes weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden

Werden die Pumpwerke regelmäßig gewartet? Wie wird sichergestellt, dass sie einsatzbereit sind?

Die Pumpwerke werden im Rahmen von Inspektion, Wartung und Instandsetzung jährlich überprüft. Dadurch wird die Betriebsbereitschaft der Pumpwerke zu jeder Zeit sichergestellt. Diese regelmäßige Kontrolle ist fester Bestandteil des technischen Betriebsstandards der StEB Köln.

Zusätzlich finden in größeren Abständen Generalüberholungen statt, um die langfristige Funktionsfähigkeit der Anlagen sicherzustellen. Alle zentralen Bestandteile – wie Pumpen, Stromerzeugungsaggregate und Schaltanlagen – werden dabei regelmäßig bedient und getestet. So wird gewährleistet, dass die technischen Anlagen betriebsbereit bleiben und die vorgesehenen Schutzfunktionen erfüllen. Um bei Bedarf schnell reagieren zu können, halten die StEB Köln außerdem einen Vorrat an Ersatzteilen vor. So können mögliche Ausfälle zeitnah behoben werden.

Wie läuft die Flutung und Entleerung des Retentionsraumes ab? Gibt es ein Reinigungskonzept?

Die Flutung des Retentionsraums wird durch das Öffnen der Klappen am Einlassbauwerk eingeleitet. Dadurch strömen bis zu 410 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Retentionsraum und sorgen dafür, dass der Wasserstand im Rhein sinkt bzw. stagniert oder langsamer weiter steigt. Der Retentionsraum kann bis zu 30 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen.

Mit fallendem Rheinwasserstand leert sich auch der Retentionsraum. Das Wasser fließt durch das Einlassbauwerk wieder zurück in den Rhein. Da die Sohle des Bauwerks auf einer Höhe von rund 8 m Kölner Pegel liegt, verbleiben etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser in der tiefer liegenden Altarmschleife des Worringer Bruchs.

Die Restentleerung erfolgt über den Pletschbach, der 2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten kann. Dafür wird in Worringen an der Neusser Landstraße ein zusätzliches Pumpwerk gebaut. Die Restentleerung wird in der Regel rund 40 Tage dauern. Durch das Pumpwerk kann die Restentleerung um etwa 12 Tage verkürzt werden.

Ein detailliertes Reinigungskonzept wird im Rahmen der Ausführungsplanung noch erarbeitet. Darin ist unter anderem vorgesehen, dass die Fläche nach dem Einsatz des Retentionsraumes überprüft wird. Anschwemmungen oder Rückstände wie zum Beispiel Treibgut werden dabei eingesammelt und fachgerecht entsorgt.

Gelangt bei Flutung des Retentionsraumes Wasser aus dem Pletschbach in die anliegenden Gärten?

Nein, es werden Leitwände gebaut, die verhindern, dass der Pletschbach in die anliegenden Gärten übertritt.

Funktionieren Pumpen und Anlagen, wenn bei Hochwasser der Strom ausfällt?

Die Pumpen und Bauwerke im Retentionsraum sind so geplant, dass sie auch im Falle eines Stromausfalls weiterhin funktionieren. Dafür wurde ein umfassendes Notstromkonzept entwickelt. An mehreren Stellen werden mobile oder fest installierte Notstromaggregate eingesetzt. Diese springen ein, wenn die reguläre Stromversorgung unterbrochen ist. Die Aggregate liefern ausreichend Energie, damit alle sicherheitsrelevanten Anlagen weiterarbeiten und die Schutzfunktion gewährleistet bleibt.

Wie wirkt sich der Retentionsraum auf das Grundwasser aus?

Bei Hochwasser steigt zeitverzögert auch das Grundwasser an – die Folgen für tief liegende Stadtteile können nasse Keller sein. Diese Problematik besteht bereits heute, ohne Retentionsraum. Entscheidend sind aber nicht nur die Entfernung zum Rhein und die Höhe des Rheinwasserstandes, sondern auch die Dauer des Hochwassers. Wichtig ist auch, wie hoch der Grundwasserstand vor dem Hochwasser bereits war.

Im Kölner Norden gibt es ein dichtes Netz von Grundwassermessstellen unterschiedlicher Betreiber, deren Daten auf der Internetseite www.elwasweb.nrw.de abgerufen werden können. Die meisten Grundwassermessstellen im Kölner Norden wurden in den 1960er Jahren oder später in Betrieb genommen. Der bisher höchste Grundwasserstand in Köln wurde 1988 nach einem lang anhaltenden Hochwasser mit einem Scheitelwasserstand von 9,96 m Kölner Pegel gemessen.

Der Retentionsraum kommt jedoch frühestens bei einem Wasserstand von 11,70 m Kölner Pegel zum Einsatz. In diesem Bereich liegen keine Messwerte für Grundwasser vor. Daher wurden die Auswirkungen eines Wasserstandes von 11,90 m Kölner Pegel auf den Grundwasserstand mit und ohne Retentionsraum in einem Computermodell der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen berechnet.

Das Grundwasserströmungsmodell kommt zu dem Ergebnis, dass bei einem Hochwasser dieser Größenordnung auch ohne Flutung des Retentionsraums die Grundwasserflurabstände, also der Abstand des Grundwasserspiegels von der Geländeoberfläche, in vielen rheinnahen Gebieten weniger als einen Meter betragen. Dann muss damit gerechnet werden, dass das Grundwasser offen an die Oberfläche tritt. Welche Stellen das betrifft, kann nicht genau vorhergesagt werden, weil dafür auch Fragen der Bodenbeschaffenheit eine Rolle spielen und ob der Boden z.B. durch Baumaßnahmen beeinflusst wurde.

Steht aufgrund von Undichtigkeiten Wasser im Keller, sollte vor dem Abpumpen geprüft werden, ob hierdurch gegebenenfalls Auftriebsschäden am Gebäude entstehen können. Die Stadtentwässerungsbetriebe empfehlen, hierzu einen Bausachverständigen zu konsultieren. Weitere Informationen finden Sie unter www.steb-koeln.de > Hochwasser und Überflutungsschutz > Eigenvorsorge gegen Hochwasser.

Bei einer Flutung des Retentionsraums sind die bebauten Gebiete nahezu identisch mit den Gebieten, die ohne eine Flutung betroffen wären, jedoch führt die höhere Einstauhöhe aufgrund der Flutung des Retentionsraumes zu einem stärkeren Nachströmen von Grundwasser. Da der Grundwasserspiegel bereits vor der Flutung sehr hoch liegt, ist der Einfluss des Retentionsraums auf das Grundwasser eher gering. Dem stehen die Vorteile gegenüber: Der Retentionsraum ist die letzte Handlungsoption, um eine offene Überflutung über den Rheindeich zu verhindern oder zu verzögern.

Werden archäologische Funde berücksichtigt?

Alle Flächen werden archäologisch untersucht und dokumentiert. Das Projekt wird durch Fachleute begleitet.

Natur und Landschaft

Was bedeutet der Retentionsraum für die Landwirtschaft?

Die Flächen werden neu geordnet und bleiben erreichbar. Etwa 23 ha Acker- und 2 ha Grünland werden für Bauwerke benötigt. Die landwirtschaftliche Nutzung ist weiterhin möglich.

Welche Auswirkungen haben die geplanten Bauwerke auf die Natur?

Die Bauwerke im Retentionsraum wurden so geplant, dass sie die Natur so wenig wie möglich beeinträchtigen. So ist z.B. an der Brombeergasse ein Fangedamm geplant. Dabei handelt es sich um ein kompaktes Bauwerk, das deutlich weniger Platz benötigt als ein gewöhnlicher Deich: Während ein Deich bis zu 50 Meter Breite benötigt, sind es beim Fangedamm nur 9,50 Meter. Für den Fangedamm sind verschließbare Amphibiendurchlässe und Querungshilfen vorgesehen. Die Deiche im Süden und Norden des Retentionsraums können von den Tieren problemlos überquert werden.

Zusammensetzung der Altlasten: Was wurde abgelagert?

In der Vergangenheit wurden innerhalb der Retentionsfläche Lehm- und Tongruben zur Ablagerung verschiedener Abfälle genutzt. Dabei handelte es sich um Produktionsrückstände, andere gewerbliche Abfälle und um hausmüllähnliche Abfälle. Aus heutiger Sicht sind diese Bereiche sogenannte Altlastenverdachtsflächen und wurden deshalb im Register des Umweltamtes der Stadt Köln erfasst.

Im Zuge der Planungen des Retentionsraums wurde der Untergrund sehr sorgfältig untersucht: Dazu wurden insgesamt 19 Kleinbohrungen und sechs Schneckenbohrungen durchgeführt. Besonders im Bereich der Brombeergasse wurden dabei hauptsächlich Auffüllungen aus ehemals natürlichen, ortstypischen Böden, Boden-Bauschuttgemische und vereinzelt Textilreste gefunden. Hausmüllähnliche oder sonstige nichtmineralische Bestandteile wurden jedoch – abgesehen von den wenigen Textilresten – nicht festgestellt.

Die Ergebnisse zeigen, dass in dem für den Bau vorgesehenen Bereich keine belastenden Stoffe in relevanten Mengen vorhanden sind.

Warum wurden die Altlasten im Bruch vor Baubeginn nicht vollständig entfernt?

Eine Entfernung der Altlasten ist nicht erforderlich, da von ihnen keine Gefährdung für Mensch, Umwelt oder Trinkwasser zu erwarten ist. Das hat ein grundwasserhydraulisches Gutachten ergeben, das im Bereich der Baumaßnahme entsprechend der gesetzlichen Vorgaben durchgeführt wurde. Die Berechnungen zeigen: Die geplanten Bauwerke führen nicht dazu, dass sich Schadstoffe aus den Altlasten ausbreiten. Bei einer Flutung kann es lediglich zu kleinräumigen und vorübergehenden Veränderungen im Grundwasserfluss kommen, die die Brunnenfassungen des Wasserwerks Weiler nicht erreichen. Das Trinkwasser ist somit nicht gefährdet – auch bei unterschiedlichen Hochwasserverläufen oder einer veränderten Trinkwasserförderung im Wasserwerk.

Wie werden die Auswirkungen des Retentionsraums auf die Natur bewertet?

Die Auswirkungen des Retentionsraumes auf die Natur wurden in einer Umweltverträglichkeitsstudie, einer Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsstudie und einer artenschutzrechtlichen Prüfung untersucht. In den Studien wurden Konfliktpotenziale aufgezeigt sowie Eingriffe ermittelt und bilanziert. Der erforderliche Ausgleich wurde in einem landschaftspflegerischen Begleitplan dargestellt. Zudem wurden die Planungen durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW begleitet. Die Umweltfachplanungen sind Bestandteil der Genehmigungsunterlagen, die bei der Bezirksregierung eingereicht werden. Die Prüfung der Untersuchungen und Bewertungen erfolgte durch die Bezirksregierung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens.

Verändern die geplanten Bauwerke das Landschaftsbild?

Die Bauwerke des Retentionsraums fügen sich weitestgehend in das Landschaftsbild ein.

Deiche bzw. Hochwasserschutzanlagen werden dort errichtet, wo keine natürliche Geländehöhe den Retentionsraum begrenzt. Die Anlagen sind maximal 6,50 m hoch, weisen eine moderate Böschungsneigung auf und werden begrünt.

Soweit Spundwände zur Sicherung des Hochwasserschutzes vorgesehen sind, werden diese mit Boden überdeckt und mit Rasen begrünt, sodass sie wie ein Deich aussehen.

Der Fangedamm entlang der Brombeergasse liegt im Wald. Im Bereich der Straße Schmaler Wall wird er bepflanzt.

Alle Bauwerke können von Fußgängern und Radfahrern genutzt und an verschiedenen Stellen gequert werden. Sie ergänzen so das Wegenetz. Das Worringer Bruch bleibt als Naherholungsgebiet erhalten.

Gut zu wissen!

Der Retentionsraum soll 690 Hektar groß werden. Das entspricht einem Fassungsvermögen von 30 Millionen Kubikmetern. Das ist fast 50.000 Mal so viel, wie in das große Schwimmbecken des Chorweilerbades passt.

Simulation Retentionsraum Worringen

In verschiedenen Szenarien wurde die Wirkung des Retentionsraumes simuliert. Bei einer kurzen, steil ansteigenden Hochwasserwelle kann er den Kölner Norden vor einer offenen Überflutung schützen. Bei länger anhaltenden Überschwemmungen bringt er bis zu 14 Stunden Zeitgewinn für Rettung und Evakuierung. Auch flussabwärts sinken die Wasserstände: In Duisburg um bis zu 14 cm, an der niederländischen Grenze um bis zu 8 cm.

Hochwasser 10,70 m Kölner Pegel:

Unabhängig vom geplanten Retentionsraum ist der Norden Kölns heute bis zu einem Wasserstand von 11,90 m Kölner Pegel geschützt. Sehen Sie, wie der Rhein bei einem Hochwasser der Größenordnung von 1995 ausufert, aber innerhalb der Deiche und Schutzanlagen bleibt.

Hochwasser 12,05 m Kölner Pegel ohne Retentionsraum:

Bei einem Wasserstand von mehr als 11,90m Kölner Pegel muss damit gerechnet werden, dass der Rhein die Hochwasserschutzanlagen überströmt. Sehen Sie, wie das Rheinhochwasser die Stadtteile im Norden Kölns überflutet.

Hochwasser 12,05 m Kölner Pegel mit Retentionsraum:

Bei einer kurzen, steil anlaufenden Hochwasserwelle mit einem Höchststand von etwa 12,05m Kölner Pegel kann der Retentionsraum eine Überflutung des Nordens in Köln verhindern. Sehen Sie, wie durch eine Flutung des Retentionsraums der Wasserstand gesenkt werden kann.

Hochwasser 12,50 m Kölner Pegel ohne Retentionsraum:

Bei einem Wasserstand von 12,50 m Kölner Pegel stehen Teile des Kölner Nordens unter Wasser. Sehen Sie, welche Gebiete bei Extremüberflutungen betroffen sind.

Hochwasser 12,50 m Kölner Pegel mit Retentionsraum:

Bei einem Wasserstand von 12,50 m Kölner Pegel kann auch der Einsatz des Retentionsraums Köln-Worringen eine Überflutung nicht verhindern. Sehen Sie, wie durch eine Flutung des Retentionsraums jedoch wertvolle Zeit für Rettungsmaßnahmen gewonnen wird.
 

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