Grundhochwasser – eine oft unterschätzte Gefahr
Auch fernab vom Fluss kann Hochwasser Gebäude bedrohen. Grundhochwasser entsteht meist zeitverzögert nach einem Hochwasser: Selbst wenn der Wasserstand im Fluss sinkt, kann das Grundwasser noch weiter steigen. Hat das Grundhochwasser das Niveau des Kellerbodens überschritten, dann entstehen Wasserdruck und Auftriebskräfte an Gebäuden, die erhebliche Schäden an Bauwerken verursachen können. Wie es entsteht, worin die Risiken liegen und welche Schutzmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie hier.
Was ist Grundhochwasser?
Bei Hochwasser im Fluss kann das Grundwasser nicht zum Fluss hin abfließen, weil das Flusswasser in den Grundwasserleiter drückt. Die Folge: Das Grundwasser steigt an und kann sogar in weiter vom Fluss entfernten Gebieten zu Überflutungen führen. Dies passiert mit einer Zeitverzögerung zum Hochwasserereignis selbst. Das Grundwasser kann sogar weiter steigen, wenn der Wasserstand im Fluss schon fällt.
Worin liegen die Gefahren?
Gerade in Gebieten, die weiter entfernt vom Fluss sind, wird die Gefahr von Grundhochwasser für die Gebäude oft unterschätzt. Nicht zuletzt auch, weil die Grundwasserstände oft erst Tage oder Wochen nach dem eigentlichen Hochwasser im Fluss ansteigen und selbst dann noch zunehmen können, wenn der Rheinwasserstand längst wieder fällt.
Sobald der Grundhochwasserstand über das Niveau des Kellerbodens steigt, entsteht Wasserdruck. Das belastet die Bausubstanz von unten und von der Seite. Besonders kritisch sind die Auftriebskräfte, die auf die Bodenplatte wirken: Ist der Druck zu stark, kann der Kellerboden reißen – oder das gesamte Gebäude an Standfestigkeit verlieren („aufschwimmen“).
Zusätzlich kann durch den seitlichen Wasserdruck Wasser in den Keller eindringen – im schlimmsten Fall kann es zu Strukturschäden an Wänden kommen, bis hin zum Einsturz.
Das Gefährliche: Diese Schäden entstehen meist unsichtbar von unten, werden erst spät erkannt – und sind dann oft kostenintensiv in der Sanierung.
Wie kann ich mich schützen?
Gegen Grundhochwasser gibt es zwei wirksame Schutzprinzipien:
Gebäudeabdichtung
Ein baulicher Schutz gegen aufsteigendes Grundwasser ist möglich – etwa durch die sogenannte „schwarze“ oder „weiße Wanne“. Diese Abdichtsysteme umschließen das Gebäude vollständig und sichern es gegen eindringendes Wasser. Besonders wichtig dabei:
- Fundament und Bodenplatte gegen Auftrieb verankern
- Kellerwände für den erhöhten Wasserdruck bemessen und entsprechend stärken
- Öffnungen unterhalb des höchsten erwartbaren Wasserstands abdichten (z. B. Fenster, Lichtschächte, Treppenabgänge)
- Beratung durch Statiker*in einholen, die oder der dann auch die Auftriebssicherheit statisch überprüfen kann
Kontrollierte Flutung
Wenn ein Keller akut durch Wasserdruck gefährdet ist, kann eine bewusste Flutung der Kellerräume den Gegendruck ausgleichen. Das ist die einfachste und kurzfristig wirksamste Maßnahme zur Verhinderung größerer Schäden am Gebäude. Mittel- bis langfristig empfiehlt sich eine vorsorgende Schutzstrategie durch bauliche Maßnahmen.
Gut zu wissen!
Ob Ihr Gebäude durch Grundhochwasser gefährdet ist, zeigt Ihnen ein Blick auf die Grundhochwassergefahrenkarten. Sie machen sichtbar, in welchen Gebieten der Grundwasserstand bei Hochwasserereignissen ansteigen kann. Auch wenn Ihr Gebäude nicht unmittelbar am Rhein liegt, kann Grundhochwasser auftreten – zum Beispiel, wenn Ihr Gebäude in einem Altrheinarm liegt.
Zu den GrundhochwassergefahrenkartenAuch interessant für Sie
Hochwasser
Wie verhalte ich mich im Ernstfall?